Die Germanen

 

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Letztes Update am

20 Sep, 2009 

Die Germanen

Schätzungen zufolge ist der Ursprung der Germanen um etwa 500 v. Chr.(vorrömische Eisenzeit) anzunehmen.

Der griechische Historiker Poseidonios erwähnte die Germanen im Zusammenhang mit den Kelten 90 v.Chr. als "primitiver Stamm".

Gaius Julius Caesar bezeichnete Mitte des 1. Jahrhunderts die Germanen als Barbaren, die im Hinterland der rechten Rheinseite lebten.

150 Jahre nach Caesar verfasste Tacitus die Schrift "Germania". Darin beschrieb er das Leben der Germanen aus seiner Sichtweise.

Germanen sind ein Oberbegriff für bestimmte Stämme, die im Gebiet zwischen Rhein, Donau und Weichsel lebten.

Aber wahrscheinlich stammen sie aus dem Norden (Skandinavien, Dänemark und Norddeutschland).

Durch Klimaverschlechterungen kam es zur Abwanderung in andere Gebiete (zu den Kelten).

Bereits 100 v.Chr. haben die Chatten in der Rhön die Oberhand.

Im 1.Jh.v.Chr. drangen die Hermunduren (germanischer Stamm) in das Thüringer Becken ein.

Die Chatten kämpften gegen die Hermunduren 58 n.Chr. um die Salzquellen an der Werra, wobei die Hermunduren siegten.

In der Rhön waren die ersten germanischen Stämme die Chatten, Hermunduren, Cherusker, Markomannen, Allemannen, Burgunder und Wandalen.

Auch die Franken und die Thüringer waren germanische Stämme. Laut schriftlichen Quellen der Römer wird der Name der Franken im 3.Jh.n.Chr. im Zusammenhang mit germanischen Volksstämmen erwähnt.

Der Stamm der Franken bildete zu dieser Zeit ein germanisches Großreich.

Das Reich der Thüringer bestand aus Hermunduren, Angeln und Warnen. Sie gründeten 458 ein eigenes Königreich mit dem König Besinius.

Der 1.Angriff der Franken auf Thüringer erfolgte 529, in den Folgejahren gehörte Thüringen zum Frankenreich.

Germanische Funde in der Rhön sind spärlich, trotzdem gibt es doch einige Spuren der Vergangenheit.

- frühgeschichtliche Siedlung von Aubstadt (Keramik-und Scherbenfunde aus germanischer Zeit)

- germanisches Gräberfeld von Aubstadt (weist keltische und germanische Züge auf)

- germanische Siedlung in Merkershausen

- Dolmar bei Meiningen (Nachweis germanischer Besiedlung)

- Meiningen wurde etwa ab dem 5.Jh. von Germanen besiedelt

- Gangolfsberg bei Oberelsbach (Fibelfunde)

- Osterburg bei Bischofsheim (keltische und germanische Funde). Übrigens gibt es eine Sage über die Osterburg:

Ursprünglich sollte ein Kloster auf die Osterburg gebaut werden. Steine dafür wurden hinauftransportiert,

am nächsten Tag waren die Steine verschwunden, am darauffolgenden Tag dasselbe. Schließlich wurde das Kloster auf dem Kreuzberg errichtet.

Auch der Kreuzberg hieß zur Zeit der Germanen Asenberg (Berg der Götter). Dort befand sich ein Altar zur Opferbringung für die Asen (Götter). Als die Germanen christianisiert wurden, hat man den Steinaltar zerstört und ein Holzkreuz gesetzt, der Berg heißt heute noch Kreuzberg - der heilige Berg der Franken!!

Die Germanen wurden im Durchschnitt etwa 30 Jahre alt.

Sie wohnten in kleinen Siedlungen von etwa 200-300 Personen in Einzelhöfe, Weiler, Dorfsiedlungen oder auch auf Höhenburgen.

Sie bauten dreischiffige fensterlose Langhäuser, die mit Stroh oder Schilf bedeckt waren.

Ihre Familien, Mägde und Knechte, sogar das Vieh, wenn auch abgetrennt, wohnten mit im Haus.

Sie betrieben vor allem Landwirtschaft (Getreideanbau und Viehzucht) und betrieben Handwerk, wie tischlern, töpfern, schmieden und weben.

Sie importierten keltische Waren, wie Glasschmuck, Waffen und auch Tonware. Die Germanen ahmten die keltische

Handwerkskunst nach und übernahmen auch die Fibeltracht von den Kelten.

Es folgte nach und nach ein Zusammenwachsen keltischer und germanischer Kultur und Tradition.

Auch keltische Fliehburgen wurden von Germanen besetzt.

Deshalb ist es oft schwierig bei archäologischen Funden festzustellen, ob es sich um keltische oder germanische Zeit handelt.

Die Sippe

Eine Sippe bestand aus Großfamilien von Blutsverwandten. Der Sippenälteste hatte die Verfügungsgewalt. Er bestimmte

über die Rechte der Angehörigen, hatte ihren ganzen Besitz und war Vormund ("Munt"). Er war verantwortlich, dass die

Sippenrechte eingehalten wurden. Er beschützte die Familie und galt als Oberhaupt.

Bei den Germanen unterschied man sogenannte "Freie", sie waren Mitglied der Rechtsgemeinschaft, somit rechtsfähig,

durften Waffen tragen und langes Haar. Bei den "Freien" unterschied man noch "Allgemeinfreie" und den Adel, dem

höhere Fähigkeiten zuzuschreiben waren, wie übersinnliche Kräfte, Stärke und man nahm an, dass sie von Göttern

abstammten.

Es gab "Minderfreie", die eingeschränkt waren, in ihrer Handlungsfähigkeit und hörig.

Zu den "Unfreien" zählten Knechte und Kriegsgefangene.

 

Rechte und Pflichten der Frauen

Bei einer ehelosen Frau ist der Vormund der Vater. Heiratet sie, geht die Vormundschaft des Vaters auf ihren Ehemann über.

Bei den Germanen gab es verschiedene Arten von Ehe:

- die Kauf-und Vertragsehe - symbolisch wird die Frau auf die Knie des Mannes gesetzt, das heißt, er hat die Herrschaft über

 die Frau, es wird ein sogenannter Muntschatz übergeben., der Mann hat das Recht sich scheiden zu lassen,

- die Friedelehe - es besteht kein Vertrag zwischen den Sippen, die Frau hat den Mann nicht als Vormund, auch nicht für das

 Kind, Recht auf Scheidung haben hier beide Ehepartner,

- die Kebsehe - ein freier Mann nimmt sich eine sippenlose Frau (unfrei), es ist eine freie Gemeinschaft, aber die Frau ist dem Willen des Mannes ausgesetzt.

Ehebruch oder vorehelicher Umgang mit Männern wurde sehr hoch bestraft (erdrosseln, einmauern, verbrennen, Sklavenhaltung bis hin zur sofortigen Tötung der Frau).

Aber die germanische Frau hatte auch wichtige Aufgaben innerhalb der Sippe. Sie erzog die Kinder selbst, unterwies Mägde und Knechte

in der Landwirtschaft, verrichtete den Haushalt und beschäftigte sich mit spinnen, weben, nähen, färben, töpfern und Schuhe herstellen.

Die Frauen der Germanen zogen mitsamt ihrem Nachwuchs auch mit den Männern in die Schlacht. Sie hielten sich dann in der Nähe

ihrer tapferen Krieger auf. Sie motivierten ihre Männer, versorgten sie dort mit Nahrung und behandelten ihre Wunden.

 

Männer

Sie waren das Familienoberhaupt. Schützten ihre Sippe und verteidigten sie im Notfall. Meist waren sie Bauern, aber auch Krieger,

die in die Schlacht zogen bzw. feindlichen Auseinandersetzungen gegenüberstanden, sei es bei Stammesfehden, Krieg gegen andere

Stämme oder große Schlachten.

Im Gegensatz zur germanischen Frau konnten sie mehrere Ehen gleichzeitig eingehen.

Germanenkrieger

Die Krieger waren mit Schild und Speer sowie mit einer Axt bewaffnet. Das Schild war meist rund oder oval. Es bestand aus aneinandergeleimten

Holzbrettern mit Rohhaut bespannt und mit einem eisernen Schildbuckel in der Mitte versehen.

Der Speer war lanzenförmig und oft mit Widerhaken besetzter Spitze.

Reiche Krieger besaßen ein Schwert oder kurze einschneidige Hiebmesser.

 

Kleidung der Germanen

Anhand von Moorfunden konnte festgestellt werden, dass die Germanen Fellumhänge (von Schaf oder Rind) trugen, meist im Winter.

Keinesfalls war die Kleidung grau und trist. Die Stoffe wurden gelb, oliv, braun, auch rot und blau gefärbt.

Bundschuhe wurden von Männern und Frauen aus Leder getragen.

Männerkleidung

Die Männer trugen kurze und lange Hosen (meist mit Füßlingen), dazu Gamaschen bzw. Wadenbinden zum Schutz vor Kälte.

Oberteile bestanden aus einem Kittel, die bis zu den Oberschenkel reichten, darüber wurde meistens ein Gürtel getragen.

Der Germane trug einen größeren Mantel, bzw. Umhang, der mit einer Fibel über der rechten Schulter zusammengehalten wurde.

Junge Männer trugen keinen Bart, ältere dagegen meist einen Schnurrbart.

Die "Freien" trugen lange Haare, die "Unfreien" mussten ihre Haartracht kurz halten.

Die Männer banden ihre Haare oft zu einem Haarknoten.

Frauenkleidung

Die Germanin trug ein sogenanntes Peplosgewand, ein schlauchförmiges fußlanges Kleidungsstück, das auf den Schultern mit Fibeln

befestigt wurde. Oder sie trug einen langen Rock aus kariertem Wollstoff und einem Kittel als Oberteil. Junge Mädchen trugen ganz

kurze Röcke. Auch Leinenkleider mit einem Gürtel trug Frau von damals. Manchmal waren die Germaninnen auch noch mit einem

Wollschal mit Fransen ausgestattet.

Die Fibeln dienten zur Befestigung der Kleidungsstücke, aber auch als Zierde.

Die Haartracht war meistens lang und mit aufwendigen Flechtfrisuren versehen.

Germanischer Schmuck bestand aus Arm,- Hals,- Finger- und Ohrringen, sowie aus Broschen und Gürteln.

 

Übrigens: Seife und Haarbürste war eine Erfindung der Germanen!

 

Sprache der Germanen

Eine einheitliche germanische Sprache an sich, gab es nicht. Man muss es sich so vorstellen, wie heute, dass die verschiedenen

Germanenstämme auch ihre Dialekte sprachen.

Sie konnten sich dennoch untereinander verständigen.

Das Plattdeutsche und das Friesische, das heute noch gesprochen wird, zählt zu den germanischen Sprachen.

Runen sind germanische Schriftzeichen. Sie entwickelten sich im 1. bzw. 2.Jh..

Das erste Runenalphabet mit 24 Zeichen ist das "Futhark". Man verwendete es bis ca. 700 n.Chr..

Nach der Christianisierung verloren die Runen an Bedeutung.

Runeninschriften befinden sich auf Gegenständen, auf Steindenkmäler, Grabinschriften, Schmuck und Waffen.

Runensteine sind oft im Norden anzutreffen (Schweden, Dänemark). In Deutschland wurden 4 Runensteine im Umkreis von Haithabu/

Schleswig-Holstein entdeckt. Sie sind dort im Wikingermuseum zu bewundern.

Die Runenschrift zu deuten ist sehr schwierig, ein Runenforscher sagte einmal:"Für jede Inschrift gibt es so viele Deutungen wie

Gelehrte, die sich damit befassen".

Schriftliche Überlieferungen der Germanen gibt es leider nicht. Viel später wurde dann Latein als Schrift verwendet.

 

Religion der Germanen

Die Gemeinsamkeiten der Germanen bestand in dem Glauben an die gleichen Götter. Die heutigen Wochentage gehen auf

germanischen Ursprung zurück.

Lediglich in der Ausübung der Rituale unterschied sich der germanische Glaube. Die Rituale bestanden aus Opfergaben (von

Tier oder Mensch), Tänze, Räucherungen, Feuer und so weiter.

Die religiösen Rituale fanden an heiligen Stätten, wie Gewässer, Moore und Waldlichtungen statt.

Germanische Gottheiten waren Odin als oberster Gott der Germanen, Thor, der Sohn Odins (Gewittergott und Fruchtbarkeitsgott), den

die Bauern oft anbeteten, Frigg, die Frau von Odin und Göttin der Frauen, Freya, die Göttin der Liebe und Ehe, Ostera, die

Frühlingsgöttin und noch viele mehr, die ich hier nicht alle benennen möchte.

Auch Riesen, Elfen und Zwerge hatten ihren Platz in der Glaubenswelt der Germanen.

Sie glaubten an das Schicksal und ein Leben nach dem Tod.

Die in der Schlacht gefallenen Krieger zogen nach Walhall, begleitet von der Walküre. Die anderen Verstorbenen kamen ins

Totenreich der Hel.

Es fanden Kult- und Opferfeste zu Ehren der Götter statt.

Der Wald galt bei den Germanen als heilig.

Übrigens: Bei Fritzlar in Hessen stand eine Donareiche, sie war dem Gott Donar gewidmet und ein Heiligtum der Germanen.

Bei der Christianisierung wurde die Donareiche gefällt, als Zeichen der Christianisierung!

Das germanische Rechtswesen beruhte auf der religiösen Grundlage. So wurde ein Rat aus freien und kriegstauglichen Männern gegründet, mit einem gewählten Oberhaupt. (Thing). Aufgabe des Rates bestand darin, Beschlüsse zu fassen und Entscheidungen und Urteile zu fällen. Dies fand unter strengen Regeln statt und zwar an heiligen Stätten (Thingplätze).

Solch ein Thingplatz gab es zum Beispiel in Lauterbach in Hessen.

Auch die Magie und das Befragen von Runen gehörte zum germanischen Leben.

Die germanische Religion wurde in Helden-und Götterliedern weitergegeben.

Germanische Feiertage

Hier mal ein kleiner Auszug aus germanischen Feiertagen:

14. November - Winternacht, Gedenken an Ahnen und Opfergabe durch Nahrung, sowie Anrufung verstorbener Krieger von Walhalla

21. Dezember - Mittwinter, Festvorbereitungen für die 12 Rauhnächte, Zukunftsvoraussagungen mittels Runen und Traumdeutung

28. Januar - Fasnacht, Anrufung von Frey (Fruchtbarkeitsgott), Winteraustreibung mit Feuer und Lärm

20. März - Frühlingsfest, Ostara, die ersten Things- Versammlungen

21. Juni - Sommersonnenwende, Sonnenwendfeuer, Kräuterweihe

23. September - Erntedankfest (als Opfer wird der letzte Apfel am Baum hängen gelassen, Erntekranz wird geflochten).

Man kann hier gut feststellen, dass die alten Traditionen heute noch angewandt werden!

 

Varusschlacht

Die bedeutende Varusschlacht, von der jeder eigentlich mal was gehört hat, fand im Jahre 9 n.Chr. statt.

Der Römer Varus wurde beauftragt auch in Germanien Steuern einzutreiben.

Jedoch vereinigte der Germane Arminius viele germanische Stämme. Und somit wurden die Römer in der Varusschlacht vernichtend geschlagen.

Danach errichteten die Römer als Schutz vor den Germanen den Limes (Grenzwall).

Heute erinnert noch das Hermannsdenkmal an das Geschehen.

 

Germanische Krieger um 900 nach Christus

 

 

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